1986 – 2001 in (West-) Berlin-Friedenau

Wer warten kann, dem dient die Zeit …“

so wählte ich das Motto – aus persönlichem und historischem Rückblick entstanden - für meine Gruppenausstellung zum 5-jährigen Bestehen der Galerie im August 1991, das Künstler aus Berlin, Dresden, Paris und St. Petersburg vereinigte. Ein zweitägiges Kulturprogramm unterstrich dieses Jubiläum.

1981 gründete ich mit dem Tischlermeister Horst Dorsch die „Möbel Klinik“, die sich zu An- und Verkauf von antiken Möbeln erweiterte. Hieraus entwickelte sich die Idee für eine Kunstgalerie.

Am 30. August 1986 dann eröffnete ich in West-Berlin, parallel zum Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Amerikanistik an der FU Berlin, mit dem holländischen Künstler Ben Godde, im Alter von 25 Jahren meine Galerie.

Es waren die letzten Jahre des Kalten Krieges, der Konfrontation zweier Gesellschafts-entwürfe, die vieler Biografien und Leben prägte. Die Berliner Mauer stand so fest, dass sich kaum einer vorstellen konnte, dass sie schon angeknackst war. Durch regelmäßige Tagesbesuche bei Kulturschaffenden der DDR in Ost-Berlin, Finkenkrug bei Berlin und in Weimar wurde mir der real existierende Sozialismus vertraut, in mehrwöchigen Aufenthalten in der Sowjetunion die Folgen der Mangel-Planwirtschaft erfahrbar. Ergaben sich zahlreiche

In über 20 Aufenthalten in Leningrad / St. Petersburg seit 1987 ergaben sich intensive Kontakte in die Non-Konformisten Künstlerszene – Gorbatschow war Generalsekretär der KPdSU, Perestroika und Glasnost waren bahnbrechende Strömungen, die mich darin unterstützten und bestärkten in meinen Kontakten und für meine Galerietätigkeit an dieser historischen Entwicklung teilzuhaben.

Die Kunst aus Leningrad ‚verbrachte’ ich meist mit dem Zug in 38-stündiger Fahrt außer Landes. In das Land schmuggelte ich neben Dingen des täglichen Bedarfs, Schreibmaschinen, Bücher oder technische Gegenstände.

Gemäß der Rolle, die Berlin in den Zeiten des Aufbruchs in die Moderne einnahm, wurde in meiner Galerie Paris westlicher Gegenpol zu Leningrad – vertreten durch Künstler wie James Coignard, Pierre Marie Brisson, Paul Lermercier und Remy Trevisan.

Seit 1990 stellte ich gleichfalls Gleb Bogomolov / Leningrad und Nina Ivanova / Moskau aus, ebenso die DDR-Künstlerinnen Gerda Lepke / Dresden, Erika Stürmer-Alex / Brietzen im Oderbruch und Michael Arlt-Dresden, Heinz Kiessling, Christian Heinrich und Beate Rudolph waren wichtige Vertreter aus (West) – Berlin.

Ab 1992 konnte ich zusätzlich die chinesischen Künstler Tan Ping und Teng Fei präsentieren.

Eine Krebserkrankung im Alter von 33 Jahren unterbrach meine Galerietätigkeit für 1 1/2 Jahre. Ich nutzte die Zeit zur körperlichen und psychischen Genesung. Die geplante Wiedereröffnung im November 1996 sagte ich nach einem Bandscheibenvorfall ab. So gab es am 6. Dezember 1996 statt einer Vernissage eine Finissage. Sie bedeutete das Ende der wirtschaftlichen Galerietätigkeit. Das Ladenlokal in der Stierstraße behielt ich noch bis 2001, um Künstlern unabhängig vom Kunstmarkt Präsentationsmöglichkeiten zu bieten.

Über künstlerische Aspekte hinaus verstand ich die Galerie stets als Raum der Begegnung von Menschen, Ideen und Kulturen, als Plattform des Austausches und Kennenlernens, gesetzte Grenzen zu weiten, Mauern zu durchbrechen.

So sehr mir dieser Aspekt am Herzen lag, verstand ich die Erkrankung als ein Zeichen. Es führte zu einer Neuorientierung meines Lebens. Noch 1996 begann ich mit einer 4-jährigen Ausbildung zum Gestalttherapeuten.

Im Frühjahr 2000 eröffnete ich meine erste psychotherapeutische Praxis in Berlin. Meine Lebensaufgabe hatte sich verlagert.

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